Hitler hat gewonnen. An das Fritz Bauer-Institut und die Frankfurter Anti-Israel-Lobby

Dass die Überlebenden der Shoah und ihre Nachfahren alleine durch ihre Existenz an die Verbrechen der Deutschen und ihres Staates erinnern, nimmt man ihnen hierzulande übel. Zu stark ist das Bedürfnis nach Identifikation gerade mit den gesellschaftlichen Institutionen, die den Einzelnen um die Möglichkeit seiner individuellen Entfaltung betrügen. Es stimmt: Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen – es sei denn, diese würden selbst zu Nazis; dann wäre man, sozusagen, quitt. Mehr noch: Es wäre, um mit Vladimir Jankélévitch zu reden, „die Erlaubnis und sogar das Recht, ja sogar die Pflicht, im Namen der Demokratie Antisemit zu sein! (…) Und wenn die Juden selbst Nazis wären? Das wäre wunderbar. Es wäre nicht länger nötig, sie zu bedauern; sie hätten ihr Los verdient.“ Aus diesem Grund spricht der durch die Schule der Halbbildung gegangene Antisemit von Israel, wenn es ihn zur Projektion drängt. Und aus demselben Grund mutiert der Bundesbürger zum Philosemiten sobald er mit einem antisemitischen Juden, einem antiisraelischen Israeli oder einem post-zionistischen Zionismuskritiker zusammentrifft. Solche Begegnungen sind wahre Glücksfälle. Sie tragen zur Rehabilitierung des Exkommunizierten bei wie die Substituierung zur Resozialisierung des Drogenabhängigen. Wie nichts anderes raffinieren sie den Antisemitismus nach Auschwitz – das haben der zitierte Jankélévitch aber auch Jean Améry sehr früh gewahrt – zum demokratischen, ehrbaren, koscheren.

Dass das neueste Derivat dieses zeitgenössischen Antizionismus’, Avraham Burgs Buch Hitler besiegen, nach Die Israel-Lobby im Programm des Campus-Verlags erscheinen würde, der, angetreten als Verlag für kritische Sozialwissenschaften, neben den genannten Pamphleten mittlerweile Titel wie simplify your life – Überlebenstipps für Technikmuffel publiziert, stand zu erwarten. Vergleichsweise überraschend dagegen ist, dass nun auch das Fritz Bauer-Institut als anerkanntes Kompetenzzentrum in Sachen Antisemitismustherapie in den Handel mit der legalen Ersatzdroge „Israelkritik“ eingestiegen zu sein scheint. Ein „Studien- und Dokumentationszentrum“, das damit wirbt, durch die Erforschung der „Geschichte und Wirkung der nationalsozialistischen Massenverbrechen, insbesondere des Holocaust“, zum „Bildungsträger“ und zur „Scharnierstelle zwischen wissenschaftlicher Theoriebildung und gegenwartsbezogener kultureller Praxis“ gereift zu sein, müsste doch, so sollte man jedenfalls glauben, eine Ahnung davon haben, dass die geistige Grundlage der „Massenverbrechen“ – der Antisemitismus – heutigentags anders funktioniert als zu Zeiten des nationalsozialistischen Volksstaats. Der antisemitische Paranoiker dieser Tage betritt die politische Bühne schließlich längst nicht mehr als Marktschreier der Herrenrasse. Vor allem dann nicht, wenn die trüben Instinkte mit dem Hang zu Bescheidwisserei und seriösem Auftreten korrelieren. Im postnazistischen Kampf um Anerkennung ist offener Antisemitismus vielmehr ein Ausschlussgrund. Wer in der deutschen Gedenkstätten-Republik vom antijüdischen Gerücht nicht lassen kann, agiert alsbald im politischen Abseits. Die in der Sentenz eines Dr. Motte unverstellt zum Ausdruck kommende Ranküne: „Dies ist ein Aufruf an alle Juden der Welt: Sie sollen mal eine andere Platte auflegen und nicht immer rumheulen“, muss fürs linksakademische Auditorium deshalb ein wenig sozialpsychologisch verklausuliert werden.

„Hitler besiegen – warum Israel sich vom Holocaust lösen muss.“

Mit dieser tendenziösen Offerte lockte das Frankfurter Fritz Bauer-Institut am 26.10.2009 gemeinsam mit Avraham Burg, der, weil er Jude ist, immer ein bisschen mehr sagen darf als das durchschnittsdeutsche Publikum, zur Supervision gegen Israel. Weil Burg alles mitbringt, was nötig ist, um als Jude für Deutschland in den Ring zu steigen, gilt sein Machwerk als „eines der wichtigsten Bücher dieser Jahre“ (Frankfurter Rundschau). Der Inhalt ist zigfach vor- und nachgebetet worden, was den Verkaufszahlen jedoch keinen Abbruch tun wird. Denn man will es immer wieder hören und sagen: in Israel herrsche nicht nur eine nachgerade pathologische Fixierung auf die Shoah und den Zionismus, sondern ein Zustand politischer, kultureller und religiöser Verrohung, ja eine Tendenz zur Faschisierung, die Burg in seinem Buch zu absurden Vergleichen mit der späten Weimarer Republik zu berechtigen scheint. Seine Conclusio in Sachen Israel, die ebenso gut vom Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen stammen könnte, versteht noch der hinterletzte FR-lesende Gewerkschaftstrottel. Sie besagt: Abkehr vom Zionismus, weitestgehender Verzicht auf staatliche Selbstverteidigung, Abschaffung der Nuklear-Waffen, und Anerkennung der Europäischen Union als höhere Form politischer Vernunft.

Die verblüffende Ignoranz gegenüber der schlichten Tatsache, dass Israel unter Mördern und Irren ums Überleben kämpft, kann wohl nur derjenige an den Tag legen, der, wie Burg, anscheinend nicht die leiseste Ahnung von der Theorie und Kritik des Antisemitismus hat und auch sonst nicht viel von dem begreift, was in der Welt vor sich geht. Sonst käme er nicht auf die Idee, die politische Verfasstheit Europas, die institutionelle Ausgestaltung des Aufklärungsverrats, als „biblische Utopie“ zu verklären. Zur Ahnungslosigkeit gesellt sich im Falle Burg kalkulierte Schamlosigkeit, wenn er in Interviews etwa folgenden Betroffenheitskitsch von sich gibt: „Den Berg von palästinensischen Toten sehe ich über jene Mauer wachsen, die wir errichteten, um sie nicht ansehen zu müssen.“ Von Micha Brumlik, der sich am besagten Abend aufs Podium und ins Einvernehmen mit Burg gesetzt hat, ist eine derart geschmacklose Erfindung nicht zu erwarten. Die Geschmacklosigkeit zu hofieren scheint jedoch zur Passion Brumliks avanciert, der es fertig bringt, in wünschenswerter Deutlichkeit den Iran als Bedrohung für Israel anzugreifen, sich gleichzeitig aber nicht zu schade ist, mit Antizionisten aller Couleur zu paktieren. Auch ihm ist zu verdanken, wenn niederste Anliegen als bildungsbürgerlich zubereitete Happen angereicht werden. Durch die sträfliche Naivität Brumliks, dem in seiner Rolle als Peter Lustig der Bilderbuch-Demokratie zunehmend der Verstand abhanden kommt, und durch die Mithilfe der arrivierten Holocaust-Pädagogik verlassen noch die pathologischsten Antizionisten ihre Randbezirke und beziehen die öffentlichen Räume. Dass ein Burg an der Goethe-Universität und nicht im Club Voltaire reüssiert, der als Szenekeller immerhin den Nutzen bringt, dass die dorthin Herabgestiegenen unter sich bleiben, ist das handfeste Resultat solcher Wegbereitungen.

Illusions retrouvées

Die traurige Wahrheit des Burgschen Zweckoptimismus indessen besteht in der Ahnung, dass, jedenfalls solange Israel vom Westen im Stich gelassen wird, eine Politik der Stärke aufgrund des ungünstigen Kräfteverhältnisses in der Region auf lange Sicht wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt ist und zermürbende Konsequenzen zeitigen dürfte. Insbesondere in Anbetracht des demographischen Drucks steht zu befürchten, dass Israel diesen ihm aufgenötigten Krieg nicht gewinnen, lediglich Schlimmeres hinauszögern können wird. Die israelische Friedensbewegung verdankt ihren Zulauf wohl nicht zuletzt diesem Dilemma. Der Strohhalm, an den sich Burg und mit ihm viele andere klammern, besteht in der Hoffnung, man könne der reellen Bedrohung Herr werden, indem man sich einredet, man bilde sie sich ein. Burgs gesinnungsethisches Plädoyer für eine „spirituelle Renaissance“ des Judentums sowie für eine Vermenschlichung der israelischen Außenpolitik läuft auf eine Erziehung zur Realitätsverleugnung hinaus. „Erstmals in unserer Geschichte“, behauptet Burg allen Ernstes in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, „gibt es keine ernsthaften Bedrohungen für uns, nicht einmal hier im Staat Israel, so gern wir uns auch unserer Paranoia hingeben“. Die Anleihe, die er bei der psychoanalytischen Theorie nimmt, um die irrationalen Folgen des jüdischen Traumas zu kurieren, wäre daher ganz entgegen seiner eigenen Auffassung als Abwehrmechanismus zu deuten, als eine Form der Abwehr mithin, die in – zweifellos unbeabsichtigte – Nähe zum antisemitischen Stereotyp gerät: wir Juden sind selber schuld an unserem Unglück. Ein Glück für alle Antizionisten. Diese brauchen, wie die Mehrheit des Publikums am 26.10., lediglich zustimmend zu nicken und zu applaudieren. Bezeichnend für die gesamte Veranstaltung war deshalb die Wortmeldung eines älteren Herrn. Dieser reagierte, bevor eine andere Person, inspiriert von Burgs wiederholtem Bekenntnis, völlig traumafrei zu sein, feststellen durfte, dass doch die Deutschen wegen ihres Schuldgefühls die vom Holocaust eigentlich Traumatisierten seien, auf Burgs Ausführungen mit der rhetorischen Frage: „Ist also etwas dran an der psychologischen These, dass die Opfer zu Tätern werden, ja?“

Würde das, was Burg und seinesgleichen fordern, wirklich, dann gäbe es Israel nicht mehr. In dieser Vorstellung liegt der Kitzel für all diejenigen konformierenden Asozialen, für die das Fritz Bauer-Institut neuerdings Grabreden auf den Staat organisiert, der für seine jüdischen Bürger existentielle Sicherheit und für die Vernünftigen der Welt Notwendigkeit und Hoffnung inmitten des globalen Irrsinns bedeutet. Diese Erkenntnis, die in einem absolut anderen Sinne die Koinzidenz von „Hitler und Israel“, das heißt von Antisemitismus und verzweifelter Selbstverteidigung, einschließt, ist ganz woanders bewahrt – zum Beispiel in Claude Lanzmanns Film Warum Israel, dessen Aufführung in Hamburg einen Tag vor der Veranstaltung in Frankfurt durch genau jene autonomen Antinationalisten verhindert wurde, die sich von den theoretischen Schandtaten eines Avraham Burg inspirieren lassen.

Hätten die Verantwortlichen des Fritz Bauer-Instituts den Autor des Buches Hitler besiegen zu einem Gespräch ins universitätsnahe Café Laumer zu einem Stück Kuchen geladen, dann wären die Marotten Burgs dort geblieben, wo sie schlechterdings hingehören: ins Private. Weil dieses Mindestmaß an politischer Urteilskraft von keinem Mitarbeiter des Instituts durchgesetzt werden konnte oder wollte, das Frankfurter Anti-Israel-Gesindel vielmehr eine Plattform und Austauschbörse für gepflegten Antisemitismus samt jüdischer Kronzeugenschaft erhielt, sind sie allesamt am eigenen Anspruch gescheitert. Dies sei im Gedenken an den Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, Fritz Bauer, bezeugt.

Gruppe Morgenthau, 05. 11.2009

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Worte ohne Antifa

»Der einfachste soziale Sachverhalt: daß man, wo zwischen zwei ›Übeln‹, denen man sich ausgesetzt fühlt, zu wählen ist, das ›kleinere‹ zu wählen hat, wenn man ihm schon nicht im Innersten für die Abwehr des größern dankbar sein will, und daß man, wenn man sie durch einen Angriff gegen das kleinere stört, des Erfolges gegen beide gewiß sein muß«. (Karl Kraus) An der mit diesem politischen Einmaleins verbundenen Denkanstrengung und seinen praktischen Konsequenzen ist die Linke gescheitert. Dort, wo man noch mit sich selbst hadert und der kulturalistisch verklausulierten Vorliebe für islamische Herrschaft mit Skepsis begegnet, entstehen Dokumente einer moralisch-intellektuellen Krise, mithin verzagte bis verzweifelte Versuche, trotz allem den Laden zusammenzuhalten. Die Geschehnisse im Iran sind nur der aktuelle Hintergrund, vor dem dieses zuweilen groteske Drama ein weiteres Mal zur Aufführung gelangt.
Nachdem man sich Jahre lang nicht nur in linken Kreisen für die Menschenschinderei in der Islamischen Republik Iran desinteressiert gezeigt hatte, kamen die Solidaritätsbekundungen der vergangenen Wochen auf den ersten Blick überraschend. Auch die Autonome Antifa [F] hatte lange Zeit zum islamischen Übel geschwiegen. Nun fordert man die »Unterstützung der Revolte im Iran« und zeigt sich empört angesichts der betonten Zurückhaltung der Bündnisgenossen. Fürwahr: Die Sprachlosigkeit all derer, die für gewöhnlich um keine Wortmeldung verlegen sind, wenn es darum geht, jedes noch so kleine Rinnsal volkstümlicher Entrüstung auf die Mühlen sozialrevolutionärer Agitation zu leiten, ist nachgerade verabscheuungswürdig.
Gleichwohl hat sich mit der Entdeckung der iranischen Oppositionsbewegung keineswegs die Erkenntnis durchgesetzt, dass dort einzig und allein ein Systemwechsel hilft, der die Beseitigung der Mullah-Diktatur beinhaltet. Ebenso wenig haben sich die projektiven Sehnsüchte, die immer am Werk sind, wenn deutsche Rebellen international stattfindende Aufstände begutachten, keineswegs zu reiferen Formen der Wirklichkeitsdeutung entwickelt. Nachdem das Mullahregime auf die nach Ungereimtheiten im Zuge der Präsidentschaftswahlen aufgeflammten Proteste mit brutaler Gewalt reagierte, heftet sich die Sehnsucht nach einem guten Islam nun bei manchen auf den Teil der Demonstranten, der für den authentischen Geist der Khomeini-Revolution einstehe. Der plötzliche Stimmungsumschwung hat augenscheinlich jedoch noch andere, nicht weniger zweifelhafte Gründe. Er ist Ausdruck der Verlogenheit des europäischen Friedensfundamtentalismus; ein Friedensfundamentalismus, der bereit ist, Israel dem Wahn von Staatsantisemiten und Vernichtungsrackets auszuliefern. Man hofft, die, die in Teheran auf die Straße gehen, mögen einem die Arbeit abnehmen: einem die notwendige Entscheidung für eine militärische Intervention ersparen, über die man sich seit Jahren im Jargon pseudodialektischen Bescheidwissens erhaben dünkt.
Fraglos: Ein Umsturz durch die Bevölkerung wäre zu wünschen. Vor allem denen, die sich ein besseres – und das ist: ein westlicheres – Leben ersehnen. Allem Anschein aber steht den Frauen, die nicht länger der sexualfeindlichen Herrschaft islamischer Patriarchen ausgeliefert sein wollen; den Homosexuellen, die nichts anderes als den Tod finden sollen, sowie den Jugendlichen und jung Gebliebenen, die hedonistisches Suchen und Hoffen dem kollektiven Todeskult vorziehen, eine Mehrheit entgegen, die bereit ist, den Tugendterror im Gottesstaat zu ertragen oder fortzusetzen.
Erinnert sei bei aller Begeisterung auch daran, dass mit dem persischen Obama Mousavi keine Säkularisierung zu erwarten wäre. Das Programm bestünde weiterhin aus jeder Menge Racket, Familienbande und Sharia. Überhaupt: Nicht erst der Wahlbetrug und die daraus resultierende Empörung der Demonstranten auf den Straßen Teherans hätten darüber Aufschluss geben können, dass da etwas mehr als faul ist in der islamischen Republik. Derweil man hierzulande hektisch Solidaritätsadressen formuliert, um sich mit dem Nimbus subversiver Protestbewegungen zu umgeben, und sich am Pathos exiliranischer Podiumsteilnehmer erfreut, bauen die Mullahs, wahrscheinlich mit Einverständnis nicht weniger Iraner, weiter an der Bombe.
Die Neigung, salbungsvoller zu schreiben, wenn Widerstand gegen absolut abschaffenswerte Zustände erlebt wird, ist eine Schwäche, die unter Umständen zu verzeihen ist. Spätestens dann, wenn die Ausrufung einer Kampfgemeinschaft unter dem Banner der Solidarität zum Selbstzweck sich drapiert und das solidarisierende Bewusstsein an der Prüfung der Realität wohlig scheitert, schlägt Empathie in Ideologie um. Die unzählbaren Solidaritätsbekundungen der vergangenen Tage und Wochen in Richtung Iran erscheinen größtenteils im Jargon heroisierender Herz- und Geisterweichung, der nicht nur die Sicht trübt, sondern auch die notwendigen Differenzen nivelliert. Das sollte vor allem jene nachdenklich stimmen, die an anderer Stelle aus gutem Grunde großen Wert darauf legen, nicht oder nicht mehr in das notorische Geraune der ausgebildeten linken Gemeinde einzustimmen, welches sich auf immergleiche Formeln kapriziert. Schön wäre es, wenn zumindest die proisraelischen Gegner des Staatsjihadismus einsähen, dass die Kompromissbereitschaft für reale politische Ziele und der überschwänglich vorgetragene Optimismus im Hinblick auf die iranische Protestbewegung ein wenig zu weit gehen.

Die »Antifa F«, die ihr Unvermögen, Kritik zu entfalten, als Überwindung »linker Grabenkämpfe« zwischen Antideutschen und Antiimperialisten konzeptualisiert und mit diesem Billigangebot seit Jahr und Tag hausieren geht, hätte zwecks Verbreiterung ihrer neuesten Aktionswoche gegen das »iranische Regime« auch gerne jene Antisemiten im Boot, die nicht gegen Juden, sondern gegen Israel hetzen. Weil man weiß, dass Vereinigungen wie die »Antifaschistische Linke Berlin«, die »Interventionistische Linke« oder die Antinazikoordination aus Frankfurt im Zweifelsfall an der Seite der Arab-Kids gegen Israel stehen, umgarnt man sie mit der in Deutschland am meisten verpflichtenden Tugend. Die Parteinahme für die iranische Opposition sei, schreibt die Autonome Antifa [F] in ihrem Text, »schon aus Antimilitarismus« verpflichtend. Denn mit »jeder Schwächung des Regimes, das den Iran zur Nuklearmacht machen will, wird eine militärische Konfrontation im Nahen Osten unwahrscheinlicher«. Die »Vermeidung militärischer Konfrontationen« ist nicht nur ein Grundbedürfnis des Deutschen von heute, sondern zugleich das diplomatische Mittel, mit dem der tagtägliche Verrat an Israel über die Bühne geht. Dass Pazifismus von Leuten nachgeäfft wird, die an anderer Stelle vom Militanzgehabe nicht lassen können, verweist auf die moralische und politische Verkommenheit einer kompletten Szene. Weil die Linken, ob in Parteien, selbstverwalteten Jugendzentren oder Infoläden, wissen, dass die militärische Verteidigung das einzige ist, was Israel im Ernstfall bleibt, kommen sie in der Beschwörung des Antimilitarismus nicht zur Ruhe.
Schaut man sich den terminologischen Mummenschanz an, den die Antifa [F] veranstaltet, um die eigene Zielgruppe für ihren Postone-geTÜVten »neuen Internationalismus« zu erwärmen, wünscht man sich, sie hätten weiterhin geschwiegen. Die Geschäftigkeit, mit der hier ein fraglos wünschenswerter Umsturz herbeizuschreiben versucht wird, soll darüber hinwegtäuschen, dass zumindest mittelfristig nur eine militärische Intervention von außen Schlimmeres zu unterbinden vermöchte. Zu kritischer Perzeption unfähig, macht man Hamas und Hisbollah folglich in der Sprache der FdGO zu rechtsradikalen Organisationen, statt sie als die zu bezeichnen, die sie sind: Massenmörder im Wartestand. Die Wurstigkeit, welche die Antifa [F] mit ihrem illusorischen Konzept eines neuen Antimilitarismus auf ideologische Butterfahrt durch linksdeutsche Geistesprovinzen gehen lässt, ist mitnichten dazu geeignet, einen Krieg im Nahen und Mittleren Osten zu verhindern, sondern dazu, den Mullahs eine weitere Atempause auf ihrem atomaren Feldzug gegen Israel und alle Ungläubigen zu verschaffen.
Wie erfolgreich der Kampf der Protestierenden verläuft und ob er entscheidend Besseres bringt, ist offen. Ob sein Ausgang durch pressekompatible Unterschriftenaktionen, Iran-Konferenzen oder Protestformen gegen deutsche Firmen sinnvoll beeinflusst werden kann, bleibt nicht nur zweifelhaft, weil das Publikum fürs laute Getrommel fehlt. Die Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten von Mehrheiten und die Interessen von etwas Mächtigeren setzt Mäßigungen voraus, die sich im Resultat vor der Kraft des islamischen Unheils blamieren. Die Kritik der deutschen und islamischen Ideologie wäre zwar weiterhin stiller, dafür aber zersetzender als taktierendes Spektakel. Die praktische Israel-Solidarität hat sich zu einem Geschäft gemausert, das auf wirtschaftspolitisches Gezänk abonniert ist und nicht viel mehr als peinliches Expertentum und moralisches Appellieren zu bieten hat. Die Entscheidung, Eventpolitisches der kritischen Zerstörerarbeit vorzuziehen hat dafür gesorgt, dass nun die karrieregeilen ebenso wie die antifaschistischen Resteverwerter kommen. Zur Strafe muss man nun auch nach dem Studium Doktoren lauschen und darf sich glücklich schätzen, Gruppen wie die Antifa [F] als autonomen Flügel von »Stop the bomb« zu wissen.
Aber machen wir uns nichts vor: Auch Ideologiekritik kann letztlich nicht mehr ausrichten, als all jene Ideologen ihrer unlauteren Motive zu überführen, die den Eingriff von IDF und US-Army zu verhindern trachten.

(erschienen in: Jungle World 30/09)

Einladung zur Staatskritik

Freitag, 6.3.2009, 19:30 Uhr Café Kurzschlusz, FH Frankfurt, Kleiststr. 5

Der Staat des Grundgesetzes
Über das Verhältnis von Kapital und Souveränität in Deutschland

Vortrag und Diskussion mit

Joachim Bruhn
(Initiative Sozialistisches Forum, Freiburg)

Einleitung (gruppe morgenthau)

Wenn in diesen Zeiten der ausgesprochenen Krise die Rückkehr des Staates konzediert, vor allem aber von allen energisch gefordert wird, dann kommt darin zum Ausdruck, dass in diesem Lande die Freizeitunternehmungen, die Sexualpraktiken oder Gewohnheiten des Kleidens und Ernährens von Zeit zu Zeit differieren mögen, dass auf eines aber Verlass ist: Das unbedingte Vertrauen der Deutschen in ihren Staat. Geschäftsgrundlage dieses Vertrauens ist die libidinös unterfütterte Verkennung dessen, was den Staat des Kapitals ausmacht, nämlich „militanter Garant des verkehrten gesellschaftlichen Zusammenhangs“ zu sein. (Bruhn) (mehr…)

IUS AD BELLUM

Ein Lehrbeispiel für die Verkommenheit des postnazistischen Journalismus bot der Hessische Rundfunk am 03.01.2009. Nachdem etwa zehntausend Antisemiten und solche, die sich für Antisemitisches stets offen zeigen, durch Frankfurt gezogen waren, verlautbarte der Rundfunk gar Rührseliges: „Mit Plakaten demonstrierten rund zehntausend vorwiegend Deutsch-Palästinenser gegen die israelische Militäraktion in Gaza. Sie sind entsetzt über die Situation vor Ort aber auch darüber, dass Europa nicht entschiedener in den Nahost-Konflikt eingreift.“ Wenngleich man kein Prophet sein musste, um die Reaktionen, die die Aktion „Gegossenes Blei“, mit der Israel auf den permanenten Raketenbeschuss seiner Bevölkerung aus dem Gazastreifen antwortete, vorauszusehen: entsetzlich war an diesem Tage die Situation in der Tat. (mehr…)

Israelsolidarisches in Marburg und Frankfurt

Für Israel! Frieden für Gaza heißt Freiheit von der Hamas und von
allen antisemitischen Terrororganisationen!

Für einen Regimewechsel in Gaza! Gegen jeden Antisemitismus!
Solidarität mit Israel! Freiheit für Gilad Shalit!

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Veranstaltungen zur Buchmesse 2008

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Scheitern als Programm

Warum die Linke es nicht schafft, den Islam zu kritisieren

„Der Islam verbietet Darstellungen von Nacktheit und Unmoral. Er verbietet, dass sich Männer und Frauen, die nicht verheiratet oder ersten Grades verwandt sind, berühren. […] In den vergangenen Jahrzehnten haben wir am Beispiel der westlichen Welt sehen können, dass die sexuelle Freiheit […] Ursache für Perversität, unnatürliches sexuelles Verhalten und Krankheiten ist, derer man nicht mehr Herr wird. […] Der Prophet hat in seinen Ausführungen eine wichtige Unterscheidung getroffen. Diejenigen Ehebrecher, die nicht verheiratet sind, werden körperlich gezüchtigt und in die Verbannung geschickt. Die verheirateten Ehebrecher jedoch werden gesteinigt […]. Deswegen müssen auch alle Wege, die zu Ehebruch führen, verhindert werden: Zum Beispiel dürfen Frauen und Männer, die nicht verwandt oder verheiratet sind, nicht zusammen sein und sich verabreden. Sie sollen auch nicht so schauen und reden, dass man dies für die Vorbereitung eines Ehebruchs halten könnte. Es gibt auch einen Augen- und Zungenehebruch. […] Auch sollen Frauen nicht alleine reisen. Und sie müssen hinschauen, wie sie mit einem fremden Mann sprechen. Sie sollen alle Sinne kontrollieren, damit der andere sexuell nicht erregt wird. Frauen sollen ernsthaft und besonnen reden, und sie sollen sich schön zudecken, wenn sie vor die Türe gehen. […] Im Islam ist Homosexualität eine große Sünde. Analverkehr ist verboten, ebenso die Onanie. Wir mögen es nicht, wenn man sich mit der Hand befriedigt.“ (Zit. n. Kölner Stadtanzeiger vom 5. Juni 2008)

Diese Ausführungen über das Menschenbild des Islam entstammen nicht einer Videobotschaft von Al Kaida und auch nicht einem Flugblatt der Hamas im Gazastreifen. Es handelt sich um Auszüge aus einem Dokument, das zwar jederzeit von den genannten Gruppierungen unterschrieben werden könnte, aber von einer Organisation veröffentlicht wurde, die dem Selbstverständnis und der öffentlichen Meinung gemäß dezidiert „nicht islamistisch“ ist: Nämlich die türkische Religionsbehörde Diyanet, die in Deutschland Ditib heißt und in Ehrenfeld gerade eine 55 Meter hohe Moschee bauen möchte. Freilich, die Äußerungen stammen nicht von Ditib selbst, sondern „nur“ vom türkischen Geldgeber, der sie nach Protesten vorsichtshalber von der Website löschte. Die Ditib distanzierte sich im Handumdrehen von dem als Leitfaden für Imame gedachten Schriftstück, denn es ist kein Geheimnis, dass die Imame der Ditib von der Diyanet ausgebildet und nach Deutschland geschickt werden.

Was fällt der radikalen Linken dazu ein? (mehr…)

Diskussion zum Iran, Teil II

Bekanntes aus dem „Spiegel“-Stall:

Für Bush stellt Berlin nur noch auf Durchzug
Ein herzliches Willkommen sieht anders aus. Vor George W. Bushs Abschiedsbesuch in Deutschland haben Politiker aller Parteien teils vernichtende Urteile über die Ära des US-Präsidenten gefällt. Demonstrationen werden ausbleiben – nicht einmal als Feindbild taugt er noch.“

Beleidigt ist man in Europa, weil jahrelanges Keifen gegen den amerikanischen Präsidenten weder die amerikanische Außenpolitik noch deren Repräsentanten je beeindrucken konnte. Weil es in den Vereinigten Staaten niemanden interessiert, dass die Vernichtungsgewinnler aller deutschen Parteien teils vernichtende Urteile ausspucken, verkünden die deutschen Schreiberseelchen Feindbild-Boykott und plaudern en passant ganz unbekümmert aus, dass Projektion nach wie vor als Basisenergie deutscher Befindlichkeiten firmiert. Dass der deutsche Lumpenmob wohl eher durchs Fußballgucken von antiamerikanischen Manifestationen abgehalten wird, soll uns unterdessen hier und heute so wenig interessieren, wie die oben zitierte journalistische Billiganbieterei. Anstattdessen kommt im Folgenden derjenige zu Wort, der den Deutschen und ihren pazifistischen Nachbarn auch weiterhin als verlässlichstes Feindbild taugen wird:
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„Hoch die internationale Solidarität“

Geleitworte der GruppeMorgenthau auf der Podiumsveranstaltung „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ am 10.05.2008 an der Universität Frankfurt.
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Gegen jeden Antisemitismus! Veranstaltung in Frankfurt

„Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“

Samstag, 10.05.08, 19.00 Uhr Podiumsveranstaltung mit Dr. Stephan Grigat aus Wien, Fathiyeh Naghibzadeh aus Berlin, Thomas von der Osten-Sacken aus Frankfurt und Andreas Benl aus Hamburg. Einleitung und Moderation: Gruppe Morgenthau.
Café KoZ (Kommunikationszentrum) im Studierendenhaus der Universität/Bockenheim, Jügelstraße 1.
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