So allgemein anerkannt ist die Phraseologie des demokratischen Antifaschismus, dass die Frankfurter Anti-Nazi-Koordination in ihrer jüngsten appellation contrôllée zur Bekämpfung von NPD- und Republikaner-Veranstaltungen, die im Januar 2008 auf dem Römerberg abgehalten werden sollen, auf eine dezidiert politische Begründung oder gar Auseinandersetzung ihrer immergleichen Unternehmungen glaubt verzichten zu können. In Zeiten allgemeiner Wachsamkeit gegenüber beschmutzendem ‚Rechtsextremismus‘ sind den linken Vorkämpfern für ein fesches Deutschland die Fragen ausgegangen. Die stets wiederkehrenden Konkurrenzkämpfe zwischen Links und Rechts erweisen sich vielmehr als entpolitisierte Emotionsriten, bei denen die linken Akteure als moralische Sieger feststehen. Ohne moralischen Mehrwert verlöre selbst der standhafteste Antifaschist auf Dauer die Motivation, gegen einen Haufen politisch marginalisierter Trottel aufzustehen. Zumal in Frankfurt, wo das ostdeutsche Argument, gegen militante Nazis den Selbstschutz zu organisieren, nicht überzeugend ist. Weil die Subjekte ahnen, dass unter dem Druck der Verhältnisse das individuelle Leben nicht als Selbstzweck gilt, soziale Anerkennung jedoch Abhilfe schafft, entsteht Handlungszwang – das Bedürfnis, durch präventive Maßnahmen im Geiste unbedingter Einsatzbereitschaft zu brillieren: ehrenamtliches Rumtrotteln als Loyalitätsbekundung. Den ehrenamtlichen Protestlern ist die panische Hektik im Einsatz für ein besseres Deutschland gerade dann abzulauschen, wenn sie die ‚wahre Demokratie` mobilisieren. Wie sonst, als im Kampf gegen einen neudeutschen Volksfeind, den Nazi von der NPD, lässt sich – vorausgesetzt man ist für Tierschutz und Klimageschwätz zu unverbraucht – erlebbarer die Gewissheit abholen, eine wahre und gerechte Sache zu vertreten. Wo sonst als in Fronstellung zum Aufgebot bewaffneter Polizisten, welche das Nazipack schützen und schützen müssen, lässt sich konkrete Verdrängung der allgegenwärtigen Ohnmacht besser ins Werk setzen. Hierin liegt die konstitutive Bedeutung solcher Nachmittage im Zeichen angewandter Erlebnispädagogik für organisierte Antifaschisten. Die Suche nach Sinn, Abenteuer und selbstverwalteten Gemeinschaftserlebnissen ist traurig, aber für sich genommen der Rede nicht wert. Bedeutsamer und weil es ja um Politik geht, wichtiger, ist das Verhältnis dieser Einzelnen zum Staat, welches sie selbst als betont distinktives und kritisches bestätigt sehen möchten. Die Anti-Nazi-Koordination etwa, bemängelt, dass die Polizei immer wieder das Demonstrationsrecht von Nazis schütze, während das Demonstrationsrecht „demokratischer GegendemonstrantInnen“ verletzt werde. Es kommt, was kommen muss, so „fordern wir die Polizei auf…“. Ohne die polizeilich erscheinende Obrigkeit direkt zu kontaktieren, schließen die Bündnispartner von der autonomen antifa f an: „Nachdem Stadt, Polizei und hessisches Innenministerium im letzten Jahr den Nazis bei jeder Gelegenheit Rosen auf den Weg gestreut haben und gegen AntifaschistInnen mit einem riesigen Aufgebot vorgegangen sind, ist das geplante Auftreten von Neonazis in der Frankfurter Innenstadt nun nur die logische Konsequenz. Die Stadt erntet, was sie gesäht hat.“
Im letzten Jahr hatten Antifas, bevor Polizisten und Mitarbeiter der Stadt und des Innenministeriums Rosen auf den Weg streuten, als Krönung einer Kampagne, die ausufernde Gewalt versprach, auf youtube den unter der Hassi verhüllten Mund etwas zu weit aufgerissen und konkrete Krawalle angekündigt. Das kann man tun. Im Nachgang aber denjenigen, die für die Verhinderung solcherlei Vorhaben zuständig sind, ihre logische Reaktion vorzurechnen, verweist auf den zeitgenössischen Zustand einer Szene, welche, so lange ihre Protagonisten offenbar nicht in der Lage sind, sich selbst und die eigenen Handlungen ernst zu nehmen, als postpolitische Regression charakterisiert werden muss.
Militanz, deren Potential und jeweiliges Resultat von den Lohnschreibern, Polizeiplanern und den Verkündern des Aufstandes gleichermaßen überschätzt wird, fungiert, da von Revolution zu reden bloß noch peinlich ist, als eigenständige Spaßquelle; die jeweilige Aktion ist auf den Skandalwert, der Nachwuchs locken und Eltern schocken soll, fixiert. Nicht anzulasten ist den Antifas, dass ihre Praxis den allgemeinen Zug der infantilisierten Gesellschaft spiegelt, wohl aber, dass dieses lächerliche Tun als Ausweg angepriesen wird. Zum Beispiel auf einem Kongress, der letztes Jahr in Frankfurt stattfand und den man ganz bescheiden „Ums-Ganze-Kongress“ taufte, bloß weil die eingeladenen Referenten mit ihren marxologischen Einführungsreferaten ein wenig Erhebung in die sonst so langweilig besetzten und öde bequatschten Seminarräume der Goethe-Universität transportieren sollten. Der generelle Hang zur Übertreibung endete in der absolut realitätsresistenten Rede von einem „way out “ – natürlich aus dem Kapitalismus. Bei so viel Wichtigkeit steht bspw. die Frage, wie antisemitischen Mordkollektiven im Iran oder anderswo entgegenzutreten wäre, gar nicht erst zur Diskussion. Der Homepage der antifa f ist zu entnehmen, dass ein Text zum „way out of capitalism“ noch aussteht. Bleibt zu hoffen, dass die Produktionsdauer des Textes die durchschnittliche Lebensdauer einer Antifa-Gruppe überweilen wird. Das wäre ganz im Sinne der Bemühten, die sich leider nur so eine weitere Blamage ersparen könnten.
Wo die Menschen als Mittel im wertförmigen Tauschprozess gesetzt sind und jenen gesellschaftlichen Instanzen und Subjekten zuarbeiten, an denen es läge, Kindern zu ermöglichen, vernunft- und reflexionsfähige Erwachsene zu werden, schwindet die Widerstandskapazität des Individuums, welches als Reflexionsform des Kapitals bloß noch bewusstlos mitschwingt. Das aufgeblähte aber leere Ich ist, daran gemessen, was sein könnte, witzloser Gag. Die Fähigkeit, aus Erfahrungen nachdenkend ganz eigene Schlüsse zu ziehen, ist ersetzt durch kollektiv-narzisstischen Bestätigungswahnsinn. Die Realität ist nicht mehr – als was sie den Figuren in den grandiosen Werken Balzacs erscheint –, eine, die es, eingedenk der permanenten Möglichkeit des Scheiterns, zu bewältigen und anzugreifen gilt, sondern Projektionsmasse, die nur noch als Kränkung oder kurzweilige Bestätigung kategorisiert wird. Das Pendeln zwischen Hysterie und Langeweile bestimmt die herrschende Alltagskultur. Die Fixierung der libidinösen Energie auf das fetischistisch gemodelte und absolut abhängige Selbst ist kombiniert mit dem ohnmächtigen Wunsch nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Der Verfall mündet notwendig in der nächstbesten Gruppe oder Großgruppe, die brüchige aber benötigte Identifikation bietet. Die undurchschaute Vorrangigkeit der Objektwelt ist dem narzisstischen Subjekt bloß noch aus der Perspektive des Kindes aushaltbar. Die Einzelnen werden älter und bleiben trotzige Kinder, auf Zumutungen, Anstrengungen oder Entgegenstehendes folgen Trotz und Hass. Nicht nur im Dschungel-Camp, auf der tränengefluteten Kleinbürgercouch, im Westblock der Commerzbankarena oder im universitären Proseminar zur Psychoanalyse, wo die Studenten mit Thesen zur Sexualität beunruhigt werden und entsprechend hektisch reagieren – auch und gerade in vermeintlich aufgeklärten Räumen linker und linksradikaler Gedankenproduktion herrscht projektive Infantilität, der weder scheinbare Härte noch zeigefingernder Lehrer-Habitus, sondern vernunftbereite und begriffserabeitende Zerstörerarbeit in kritischer Absicht entgegenzustellen wäre; aber eben – wäre.
Den rebellischen Manifestationen der Politischen – hier derer, die es dorthin treibt, wo Nazikader sich sammeln – ist das harmonische Bedürfnis nicht ausgetrieben. Die profane Negativität im Verhalten bleibt ambivalent, das Geschrei will falsche Versöhnung und so lange die empirischen Subjekte bleiben wie sie sind, wird der Staat primäre Appellationsinstanz bewegter Staatsbürger sein. Aus den scheinbar dissidenten Pamphleten der Anti-Nazi-Koordination trieft die Kumpanei mit Staat und Volk. Während sie, die Koordinatoren, autoritäre Demut walten lassen, wenn vor Vater Staat um Protestserlaubnis gebettelt wird, lesen sich die autonomen Manifestationen antistaatlich aber nahezu ebenso unkritisch. Trotz Unterschieden in Fragen des Geschmacks und des Tonfalls, scheint die Demokraten und die antinationalen Autonomen zu einen, dass sie, geleitet von Affekten, den Staat als schützende Instanz missverstehen und empört sind, wenn dieser seine Exekutoren tun lässt, wozu sie gesetzt sind: die Souveränität von Fall zu Fall gewaltsam durchsetzen. Beleidigt sind die Frankfurter Freizeitrevolutionäre, wenn sie daran gehindert werden, Nazis anzugreifen, ohne sich vorstellen zu wollen oder vorstellen zu können, was an anderen Orten geschähe, wenn der Staat auf sein Gewaltmonopol verzichtete. Der Gedanke, dass es einen selbst treffen könnte, kommt unter der Herrschaft des Größenwahns freilich nicht auf; zynisch sind die Versuche, den wirklichen Opfern von Nazis das autonom sich gebende Antistaatlertum oktroyieren zu wollen. Staatliche Abstinenz bedeutet im postnazistischen Deutschland eben nicht Koksen, Kotzen und Kommunismus sondern Aufstand in Rostock oder Mügeln, begangen von Leuten, die als gewöhnliche Deutsche den auf Vereinsnazis konditionierten Anständigen gar nicht erst in den Blick geraten.
Wer unterdessen erkennbare Nazis schutzlos sehen möchte und so den Anspruch auf Unversehrtheit an Bedingungen knüpft, agitiert – unseretwegen unwillentlich – für staatlich formierte Bandenherrschaft und gegen die zumindest formelle Herrschaft des Rechtes, welches vom Bewusstsein der Staatsbürger abzusehen hat. Unfreiwillig wird so die direkte Demokratie des Mobs protegiert. Allerdings, um das zu begreifen und denkend vom Empörtsein zum Kritisieren zu gelangen, müsste man abstrahieren: von den differenten Affekten und moralischen Bewertungszusammenhängen, die eine Tat von Nazis einerseits und eine gegen sie andererseits auslöst.
Die NPD werde, so die Anti-Nazi-Koordination, stark gemacht von den Regierungsparteien, speziell von Roland Koch, der im Vorlauf zur hessischen Landtagswahl „Jugendkriminalität“ ins Zentrum seiner Reklame gestellt hat und ein Burka-Verbot an hessischen Schulen forderte. Zweifellos, Roland Koch ist deutscher Politiker. Das genügt, um zu wissen: der Mann ist Ideologe. Statt den politischen Jargon als authentischen Ausdruck einer nationalstaatlich verfassten und spezifisch generierten Gesellschaft zu begreifen, gar zu kritisieren, kommen dem landläufig beschimpften Koch die linkesten seiner Kritiker skandalisierend, reproduzieren so die allgegenwärtige Form des politischen Regresses und tun im Eifer des realpolitischen Einmischens so, als seien perennierende Gewalt und Verrohung der Sprache, des Verhaltens und der Ästhetik, dort, wo islamisch sozialisierte Jungmänner unter sich bleiben, kein wirkliches Problem. Koch, der abscheulicherweise von „Ausländern“ spricht und vielen, wenn auch längst nicht mehr den allermeisten Deutschen, wenn er die widerwärtige Praxis des Abschiebens befeuert, sagt, was sie hören wollen, wäre im aktuellen Fall und gerade dann, wenn man schon wie die hiesigen Linken im Wahlzirkus den Pausenclown macht, zum Burka-Verbot nicht vorzuwerfen, dass er ein solches fordert, sondern, dass er die Forderung nicht präzisierend erweitert und statt von islamischer Alltagskultur von „ausländischen Jugendlichen“ spricht, womit er islamische Realitäten verharmlost und dazu beiträgt, dass Leute, die als nichtdeutsch Gebrandmarkte hier einfach nur leben wollen, genau dabei gestört werden. Eben weil er weiß, dass der Islam den Deutschen, gerade denjenigen, die neonationale und produktive Zukunftsarbeit für das Neue Deutschland leisten, ans Herz am wachsen ist, verzichtet er auf eine klare Sprache gegen die repressive „Scham- und Schuldkultur“ (A. Hirsi Ali) in islamischen Milieus.
Wovon Koch zu wenig spricht, dazu schweigen nahezu alle, die links von ihm stehen, wenn sie nicht gar, wie letztes Jahr durch die Anti-Nazi-Koordination geschehen, den Bau einer Moschee einfordern. Ihre ‚Antirassismus‘ genannte Betroffenheit, deren ideologische Axiome in mustergültig propagandistischer Weise im deutschen Fernsehen zu bestaunen waren, als der Unterhalter Hagen Rether eine beklatschte Propagandarede für das Verbot von Islamkritik vorzitterte, ist ein Hohn auf die Opfer des islamischen Tagesgeschäfts und endgültige Bankrotterklärung längst nicht mehr hilfloser Antifaschisten, die, wenn sie statt begriffsloser Worte klar bestimmte Einsichten darzulegen hätten, keinen Moscheebau, sondern die Einzelnen gegen die repressive Orthopraxie des Islams zu unterstützen wüssten. Wem es wirklich um die Einzelnen ginge, der forderte, wohlwissend wie naiv und hilflos eine Parole vor den Verhältnissen versagt, aber doch ganz wohlgemut, Diskos mit integriertem Darkroom für Ramallah und nicht Moscheen für Frankfurt.
Selbstverständlich sollte sein, dass das, was man in ferner Zeit einmal guten Gewissens ‚Solidarität‘ nennen konnte, und heute als polemischer Feuerschutz nur noch von Wenigen zur Sprache kommt, denen zu gelten hat, die einen Ausweg aus der Tradition, in die sie hineingeboren wurden, suchen und nicht jenen, die die Hineingeborenen an die Kette oder in die Moschee zwingen. Dass überdies eine Moschee in harmlosen Fällen als Verdummungsanstalt, in anderen als Hetzraum existiert, sollte doch wenigstens den Linken mit Bücherregal erinnerlich sein. Etwas dünn formuliert, aber richtig in der Sache ist deshalb das Diktum, welches der Zentralrat der Ex-Muslime herausgegeben hat: „Wer Moscheen sät, wird Fundamentalisten ernten“. Resistent gegenüber Religionskritik stellt man unter den Koordinatoren des Antinazi-Kampfes fest „welcher Abgrund an rassistischen und intoleranten islamfeindlichen Ressentiments in der Mitte der Frankfurter Gesellschaft nur darauf wartet, sich zu öffnen“. Während der Leser sich fragen wird, wo außerhalb eingeschworener, längst nicht mehr diskursleitender aber hüben und drüben real existierender Rassistenkreise, der zu guter Letzt islamfeindliche Abgrund zu finden sei, wird’s im Text akademisch: Die „Wechselwirkung von schweigender Mehrheit, dem Extremismus der ‚Mitte‘ und Nazis ist nicht neu“. Im Lichte demokratischer Emphase erscheint noch die gröbste Trivialität als distinguiertes Wissen der Entschlossensten. Ohne Wechselwirkung ist weder eine Gesellschaft noch das Verhältnis sozialer Gruppen zueinander bestimmbar. Was sie meinen könnten ist, dass die meisten Deutschen zu relevanten politischen Fragen schwiegen, was die ideologisiertesten unter den formellen Demokraten nicht täten, wodurch ein diskursives Klima entstehe, unter welchem die identifizierbare Gruppe der Nazis politisch und ideologisch zulege. Trotz des analytischen Urteils „Wechselwirkung“ und dem Zugeständnis, dass es auch in der Mitte, was immer das sein soll, „Extremisten“, was ja ein recht neutraler Begriff ist, gebe, bleibt die Kategorie „Nazi“ rigide abgesondert in der Schmuddelecke. Die eingeräumten Dynamiken zwischen den Gruppen münden als die einzig möglich vorgestellte Problematisierung im Bereich der abgesteckten Braunzone. Der „Mehrheit“ ist bloß vorzuhalten, dass sie schweigt. Undenkbar, dass die Mehrheit, erstmal in Wallung gekommen – zum Beispiel für den Frieden –, zum wirklichen Problem sich hochzupeitschen imstande ist, wohingegen die mehrheitlich geschmähten Nazis eine Lächerlichkeit darstellen. Das vorgestellte Modell vulgärsoziologischer Provenienz ist starr orientiert an verfassungsschutzerfassten Nazis. Unvorstellbar der Gedanke, dass national-soziales Denken, Fühlen und Erleben außerhalb der Naziszene, etwa unter Volks- und Arbeitsfreunden, islamischen Judenhassern oder Vorturnern linker Parteien möglich ist. Wer nicht bei der NPD mitstiefelt, kann kein Nazi sein, das ist das absichernde Einverständnis der Volksgemeinschaftler gegen Rechts – des geläuterten Deutschlands. Wohl deshalb blieb die Aktivität derer, die nun wieder zum Römerberg mobilisieren und ihre Homepage als Werbung für kleingruppenübergreifende Leistungsfähigkeit in Fragen antifaschistischen Katastrophenschutzes konzipiert haben, aus, als im letzten Jahr ein Frankfurter Rabbi von einem Antisemiten ohne NPD-Ausweis niedergestochen wurde. Aber einem Messerstecher mit „Migrationshintergrund“, wie es so schön unter Dummdreisten heißt, antisemitischen Vernichtungsdrang zu attestieren, ziemt sich nicht unter demonstrativ guten Menschen.
„Die von den Regierungsparteien forcierte Sicherheitshysterie fördert gezielt feindselige Stimmungen – nicht zuletzt gegen ‚den Islam‘: der unangreifbare und überall lauernde terroristische Feind, das sind die ‚Fremden‘, die ‚Anderen‘“.
Und schon wieder: die armen unschuldigen Gläubigen. Ach wo, islamische Gewalt. Die gibt es nicht! Weder hier noch in islamischen Gesellschaften, alles Lügen, des Westens, ja! der Amis! weil, äh… die wollen ja immer Öl und erst die weltgefährlichsten Israelis, die wollen zwar auch Öl aber vor allem nur Krieg und Siedlungen. In den unverschämt bösartig besetzten Gebieten, da ist die Welt in Ordnung, da gibt’s auch auf der Palästina-Solireise lecker Tee, friedlich serviert von hübsch maskierten Frauen. Und wie das erst so schön sein muss in islamischen Familien, hier, bei uns, in der bunten Republik Deutschland: kein Beschuldigungswahnsinn im Opferkult, kein Frauenhass, nie Zwang, keine Gewalt – nur Frieden, totaler Frieden!
Dorthin, wo die islamische Praxis die unberührte Unfreiheit regelt, darf ein Linker nicht schauen. Zu tief sitzt das antirassistische Tabu, welches gebietet, zu kulturell Sortierten nie anders zu sprechen, als eine Claudia Roth. Kleinbürgerliche Anbetung „fremder Kulturen“ ist den Linken nicht auszutreiben, nicht einmal dann, wenn jedwede Kulturäußerung des verhätschelten Kollektivs als Schlachtruf ertönt. Die Kollaboration mit dem politischen Islam macht die Kulturberauschten zu Mit-Tätern einer Politik, deren Betreiber noch in Anbetracht der Vorbereitung eines Endlösungs-Angriffes des Iran und seiner Verbündeten gegen Israel nichts Vernünftiges hervorbringen, sondern ihre antiamerikanische und antibürgerliche Hetze weiterkrakeelen. Jene selbsternannten Antifaschisten, die das weltweite, von islamischen Glaubenskriegern geschaffene Grauen unterstützen oder beschweigen, gleichzeitig aber so tun, als handele es sich bei ihren lächerlichen Protest-Prozeduren gegen eine überschaubare Gruppe abgehalfterter Vereinsnazis um das letzte Gefecht in antifaschistischer Mission, sind die am meisten verlogenen Mitmacher in einer Welt, in der es einfach nicht gelingen will, zumindest die „cliquenmäßige Verkommenheit auf allen Gebieten“ (K. Kraus) zu zerschlagen.
gruppe morgenthau, im Januar 2008.
H.Morgenthau@gmx.net