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Neues aus der Problemzone

Warum der Frankfurter Gruppe sinistra! die Solidarität mit toten Juden über alles geht.

„Unglaublich!“ (Florian Silbereisen)

Ein Geschwätz geht um in Links-Deutschland. Es ist das Geschwätz des „integralen Kommunismus“ und der bedingungslosen Solidarität mit toten Juden, wie es die Frankfurter Gruppe sinistra! radikale linke seit geraumer Zeit immer wieder verbreitet. Erst kürzlich wurde der geistlose Spuk zu allem Überfluss in einem überregional erscheinenden Magazin, der Dezember-Ausgabe des antifaschistischen Bewegungsmelders Phase 2, als Beitrag zur „neuen Unübersichtlichkeit“ auf wehrloses Papier gedruckt. Schuld an der vermeintlich neuen Komplexität der derzeitigen Weltlage sei, so die Leipziger Redaktion in ihrer Einleitung zum Schwerpunkt, die „Erschütterung des linken Koordinatensystems“ – gemeint ist der antisemitische Massenmord vom 11. September 2001. Die Ausgabe solle deshalb, wie die Redaktion im weiteren in einer Sprache mitteilt, die ihre Nähe zum Politologieseminar scheints gar nicht verleugnen mag, zweierlei leisten: „Einerseits sollen die Interessenlage in den Regionen aktueller und zukünftiger Interventionen nachgezeichnet und die daraus entstehenden Interdependenzen und Herrschaftsstrukturen samt den sich daraus ergebenen Entwicklungspfaden analysiert werden; andererseits sollen die Determinanten und Mindeststandards einer linken Positionierung ausgelotet werden.“ Weil also der seines gewohnten Koordinatensystems beraubte Durchschnitt einer spätestens seit dem elften September zur Kenntlichkeit entstellten Bewegung anscheinend nicht mehr weiß, wo links und wo rechts, mit andern Worten: zu unreglementierter Erfahrung außerstande ist, braucht es „Determinanten“ und „Mindeststandards“, die wieder ein wenig Ordnung im linksradikalen Oberstübchen zu schaffen versprechen.
Eine solche „Determinante“ haben nun die Genoss_innen von sinistra! offenbar beim Ausloten der Untiefen des linken Phrasensumpfes gefunden; und zwar in Gestalt eines Ausspruchs von Karl Liebknecht, demzufolge der Hauptfeind „jedes Volkes“ stets „in seinem eigenen Land“ stehe – eine Formel, mit der die Gruppe seit langem schon die Szene penetriert, um sich selbst als Hüterin der reinen antideutschen Lehre aufzuspielen. „Der Hauptfeind ist Deutschland“ lautet demgemäß das sinistre Grundsatzprogramm, in welchem man sich in einem eigentümlichen Anflug von Heimatverbundenheit darüber beunruhigt, dass angesichts der „vermeintlich größten weltweiten Gefahr – des Islamismus –“, „der Blick auf das Land der Täterinnen und Täter langsam verloren“ gehe. (mehr…)

Brutalstmögliche Aufklärer

So allgemein anerkannt ist die Phraseologie des demokratischen Antifaschismus, dass die Frankfurter Anti-Nazi-Koordination in ihrer jüngsten appellation contrôllée zur Bekämpfung von NPD- und Republikaner-Veranstaltungen, die im Januar 2008 auf dem Römerberg abgehalten werden sollen, auf eine dezidiert politische Begründung oder gar Auseinandersetzung ihrer immergleichen Unternehmungen glaubt verzichten zu können. In Zeiten allgemeiner Wachsamkeit gegenüber beschmutzendem ‚Rechtsextremismus‘ sind den linken Vorkämpfern für ein fesches Deutschland die Fragen ausgegangen. Die stets wiederkehrenden Konkurrenzkämpfe zwischen Links und Rechts erweisen sich vielmehr als entpolitisierte Emotionsriten, bei denen die linken Akteure als moralische Sieger feststehen. Ohne moralischen Mehrwert verlöre selbst der standhafteste Antifaschist auf Dauer die Motivation, gegen einen Haufen politisch marginalisierter Trottel aufzustehen. Zumal in Frankfurt, wo das ostdeutsche Argument, gegen militante Nazis den Selbstschutz zu organisieren, nicht überzeugend ist. Weil die Subjekte ahnen, dass unter dem Druck der Verhältnisse das individuelle Leben nicht als Selbstzweck gilt, soziale Anerkennung jedoch Abhilfe schafft, entsteht Handlungszwang – das Bedürfnis, durch präventive Maßnahmen im Geiste unbedingter Einsatzbereitschaft zu brillieren: ehrenamtliches Rumtrotteln als Loyalitätsbekundung. (mehr…)